Bernhard Paul

Bernhard Paul Sein Leben seine Familie und 50 Jahre Roncalli

Bernhard Paul ist ein österreichischer Zirkusdirektor, Clown und Unternehmer, der als Gründer des Circus Roncalli bekannt wurde. Geboren am 20. Mai 1947 in Lilienfeld, entwickelte er aus seiner frühen Begeisterung für die Manege ein internationales Lebenswerk. Als Clown Zippo stand er selbst vor dem Publikum; hinter den Kulissen prägte er die künstlerische Gestaltung seines Unternehmens. Im September 2026 ist Paul 79 Jahre alt.

Seine Geschichte handelt von einem ungewöhnlichen Berufswechsel, schwierigen Anfangsjahren und dem Wunsch, Zirkus als eigene Kunstwelt zu gestalten. Dazu gehören seine Familie, die Liebe zu historischen Zirkusobjekten und die Bereitschaft, neue Technik einzusetzen. Zum 50-jährigen Roncalli-Jubiläum 2026 lohnt sich deshalb ein Blick auf den Menschen hinter dem bekannten Namen.

Steckbrief

MerkmalInformation
Vollständiger NameBernhard Paul
Geburtsdatum20. Mai 1947
GeburtsortLilienfeld, Österreich
Alter79 Jahre, Stand September 2026
Aufgewachsen inWilhelmsburg, Niederösterreich
TätigkeitZirkusdirektor, Unternehmer, Regisseur und Clown
Bekannt durchCircus Roncalli
ClownfigurZippo
EhefrauEliana Larible
Verheiratet seit1990
KinderVivian, Adrian und Lili
Autobiografie„Meine Reise zum Regenbogen“, erschienen 2022

Kindheit und Herkunft Der Wunsch Clown zu werden

Bernhard Paul wuchs in Wilhelmsburg in Niederösterreich auf. Sein Vater war Elektriker. Die spätere Laufbahn als Zirkusunternehmer war damit keineswegs vorgezeichnet: Paul musste seinen Zugang zur Manege erst selbst finden.

In einem WDR-Interview zum Roncalli-Jubiläum erinnerte er sich daran, mit sechs Jahren erstmals einen Zirkus besucht zu haben. Kurz darauf sah er einen Film über den berühmten Clown Grock. Beide Erlebnisse machten auf ihn großen Eindruck und bestärkten seinen Wunsch, selbst Clown zu werden.

Zunächst führte sein Ausbildungsweg jedoch in andere Richtungen. Er beschäftigte sich mit Hoch- und Tiefbau und absolvierte anschließend eine grafische Ausbildung. Rückblickend beschreibt Paul beide Bereiche als hilfreich: Technisches Denken, Gestaltung und ein Verständnis für Medien wurden später auch im Zirkusbetrieb gebraucht. Sein Studium finanzierte er nach eigener Aussage unter anderem durch Auftritte in einer Rock-’n’-Roll-Band.

Vom Grafiker zum Zirkusdirektor

Vor Roncalli arbeitete Paul als Grafiker und Art Director, unter anderem beim österreichischen Nachrichtenmagazin „profil“. Er verfügte also bereits über eine berufliche Perspektive, als er sich für die unsichere Zukunft eines eigenen Zirkus entschied.

1975 begann er in Wien, diesen Wunsch umzusetzen. Ein ausrangierter Zirkuswohnwagen gehörte zum bescheidenen Ausgangspunkt des Projekts. In der frühen Phase kam André Heller hinzu. Gemeinsam entwickelten sie ein Programm, das Zirkus als künstlerisches Gesamterlebnis verstand.

Pauls gestalterischer Hintergrund hilft, die besondere Wirkung von Roncalli zu verstehen. Ein Zirkusabend besteht schließlich aus mehr als einzelnen Darbietungen. Farben, Plakate, Kostüme, Musik und Ausstattung beeinflussen, wie das Publikum eine Vorstellung erlebt. Bei Roncalli wurde diese Verbindung zu einem wesentlichen Bestandteil des Konzepts.

Wie entstand Circus Roncalli?

Warum sowohl 1975 als auch 1976 genannt werden

Die unterschiedlichen Jahreszahlen erklären sich durch zwei verschiedene Meilensteine. 1975 steht für die Gründung und Vorbereitung des Unternehmens. Am 18. Mai 1976 fand die Welturaufführung des ersten Programms beim „Bonner Sommer“ statt. Es trug den Titel „Die größte Poesie des Universums“.

Deshalb feiert Roncalli 2026 sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Wer die Unternehmensgründung und den Beginn des öffentlichen Spielbetriebs auseinanderhält, kann beide Angaben richtig einordnen.

Die Zusammenarbeit mit André Heller

Heller gehörte zur frühen künstlerischen Entwicklung von Roncalli. Allerdings trennte sich das Duo schon nach kurzer Zeit. Unterschiedliche Vorstellungen über die Ausrichtung führten dazu, dass Paul das Projekt mit seinem Team weiterführte.

Die Anfangsjahre waren von Rückschlägen geprägt. Wie der ORF in seinem Porträt zu Pauls 75. Geburtstag beschreibt, waren Hartnäckigkeit und sein ausgeprägter Gestaltungswille entscheidend dafür, dass aus der schwierigen Gründungsphase langfristig ein Erfolg wurde.

Der entscheidende Neustart in Köln

1980 gelang mit „Die Reise zum Regenbogen“ in Köln der Durchbruch. Der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger unterstützte Paul finanziell und wirkte an der Regie mit.

Köln wurde zur dauerhaften Basis. 1984 erwarb Paul dort das frühere Winterquartier von Carola Williams. Aus dem österreichischen Zirkustraum war inzwischen ein Unternehmen geworden, dessen Geschichte eng mit der rheinischen Stadt verbunden ist.

Was macht Bernhard Pauls Zirkusidee besonders?

Im Mittelpunkt seines Ansatzes stehen Atmosphäre, Humor und Fantasie. Ein stiller Moment kann dabei genauso wichtig sein wie eine akrobatische Höchstleistung. Paul schilderte gegenüber dem ORF beispielsweise, wie ungewöhnlich Roncallis poetische Seifenblasen-Darbietungen im Vergleich zu besonders risikoreichen Zirkusnummern wirkten.

Darin liegt ein Schlüssel zum Verständnis seiner Arbeit: Die Aufmerksamkeit des Publikums muss nicht ständig durch größere Gefahr gesteigert werden. Sie lässt sich auch durch Überraschung, Genauigkeit und eine unerwartete Stimmung gewinnen.

Typisch für diese Vorstellung von Zirkus sind:

  • Clownerie, die mit Gesten und Timing arbeitet;
  • Artistik als Teil einer gestalteten Gesamtvorstellung;
  • nostalgische Ausstattung und historische Anspielungen;
  • Musik und Licht, die den Charakter einer Szene unterstützen.

So entsteht eine Unterhaltung, die unterschiedliche Generationen gemeinsam erleben können. Kinder entdecken die sichtbare Komik, während Erwachsene zusätzliche Anspielungen oder die melancholische Seite einer Clownfigur wahrnehmen.

Clown Zippo: Bernhard Paul selbst in der Manege

Paul war über Jahrzehnte auch als Clown Zippo aktiv. Nach der biografischen Darstellung von Munzinger trat er rund 30 Jahre regelmäßig selbst auf. Seine Rolle als Unternehmer und seine Arbeit als Künstler waren dadurch eng miteinander verbunden.

Diese Erfahrung erklärt, weshalb die Clownerie in seinem Lebenswerk einen so großen Stellenwert besitzt. Ein Clown arbeitet unmittelbar mit den Reaktionen der Zuschauer: Eine Pause kann einen Witz verstärken, eine zu schnelle Bewegung seine Wirkung verlieren lassen.

Wer selbst in der Manege steht, erlebt diese Unterschiede direkt. Bei Paul gehört die Perspektive des Auftretenden deshalb ebenso zur Biografie wie die des Organisators, der Programme zusammenstellt und einen reisenden Betrieb führen muss.

Ehefrau und Kinder: Die Familie hinter Roncalli

Bernhard Paul ist seit 1990 mit Eliana Larible verheiratet. Das Paar hat drei Kinder: Vivian, Adrian und Lili. Die Familie ist damit auch ein wichtiger Teil seiner persönlichen Lebensgeschichte.

Inzwischen arbeiten alle drei Kinder im Unternehmen mit. Ein Porträt des Kölner Stadt-Anzeigers zum Jubiläumsjahr beschreibt diese Beteiligung als Bestandteil der heutigen Roncalli-Struktur. Damit stellt sich die Zukunftsfrage nicht nur künstlerisch, sondern auch als Aufgabe eines Familienunternehmens.

Einem besonders breiten Fernsehpublikum wurde Lili Paul-Roncalli durch ihren Sieg bei „Let’s Dance“ 2020 bekannt. Ihre Bekanntheit außerhalb der Manege eröffnet einen weiteren Zugang zur Familie und ihrer Arbeit.

Aus der Mitarbeit der Kinder lässt sich allerdings kein genauer Termin für einen vollständigen Führungswechsel ableiten. Familienbeteiligung und eine bereits abgeschlossene Übergabe sind unterschiedliche Dinge.

Tierfreier Zirkus und Holografie

Seit 2018 verzichtet das Circus-Theater Roncalli vollständig auf lebende Tiere im Programm. Im selben Jahr kam eine 360-Grad-Holografie in der Manege zum Einsatz. Tierdarstellungen konnten dadurch als visuelle Illusion Teil der Vorstellung bleiben.

Diese Entwicklung zeigt, dass Pauls Vorliebe für historische Zirkusästhetik technische Neuerungen nicht ausschließt. Nostalgie beschreibt bei Roncalli vor allem eine gestalterische Sprache. Sie bedeutet nicht, dass jede frühere Praxis unverändert fortgeführt werden muss.

Für Zuschauer ist die Unterscheidung einfach: Die artistischen Darbietungen werden weiterhin von Menschen live ausgeführt. Digitale Bilder ergänzen die Inszenierung und schaffen Möglichkeiten, die mit einer klassischen Tiernummer nicht vergleichbar sind.

Bernhard Paul

Sammler und ausgezeichneter Unternehmer

Neben seiner Arbeit als Zirkusdirektor beschäftigt sich Paul mit historischen Objekten aus der Unterhaltungswelt. Der Deutsche Gründerpreis beschreibt seine umfangreiche Sammlung alter Gegenstände als Teil seiner Begeisterung für vergangene Erlebniswelten.

2018 erhielt er den Sonderpreis des Deutschen Gründerpreises. Gewürdigt wurde damit auch seine unternehmerische Leistung: Aus einer persönlichen künstlerischen Idee hatte er ein dauerhaftes Unternehmen aufgebaut.

Die Verbindung ist bemerkenswert. Einen Zirkus zu gestalten erfordert Fantasie; ihn über Jahrzehnte zu betreiben verlangt zugleich Organisation, wirtschaftliche Entscheidungen und die Fähigkeit, Krisen zu überstehen. Pauls Lebenslauf umfasst beide Seiten.

Bernhard Paul 2026: Das 50-jährige Roncalli-Jubiläum

2026 feiert Roncalli ein halbes Jahrhundert seit seiner ersten Premiere. Die Jubiläumstournee wurde ausdrücklich als Weiterentwicklung angekündigt. Paul erklärte in der offiziellen Vorstellung des Programms, dass es über einen nostalgischen Rückblick hinausgehen und neue Perspektiven eröffnen solle.

Auch ein ORF-Porträt vom September 2026 zeigt ihn weiterhin eng mit der Manege verbunden. Im Mittelpunkt stehen sein Weg aus Wilhelmsburg, überwundene Krisen und der anhaltende Wunsch, nach vorne zu schauen.

Für seine Biografie ist das Jubiläum deshalb mehr als eine runde Zahl. Es verbindet die erste riskante Gründungsidee mit der Frage, wie eine unverwechselbare Zirkuswelt für neue Besucher interessant bleibt.

Seine Autobiografie „Meine Reise zum Regenbogen“

2022 erschien bei Brandstätter Pauls Autobiografie Meine Reise zum Regenbogen. Darin erzählt er von seiner Kindheit, seinem Zirkustraum und dem Weg zu Roncalli. Das Buch bietet einen persönlichen Zugang zu den Erfahrungen hinter der öffentlichen Figur.

Eine Autobiografie ist dabei vor allem die Sicht ihres Autors auf das eigene Leben. Gerade diese Perspektive macht sie für Leser interessant, die neben Jahreszahlen auch Beweggründe, Erinnerungen und persönliche Deutungen kennenlernen möchten.

Bernhard Paul wurde am 20. Mai 1947 geboren. Im September 2026 ist er 79 Jahre alt.

Er wurde in Lilienfeld in Österreich geboren und wuchs in Wilhelmsburg in Niederösterreich auf.

Seine Ehefrau heißt Eliana Larible. Die beiden sind seit 1990 verheiratet und haben drei gemeinsame Kinder.

Fazit

Bernhard Paul hat seine Erfahrungen als Grafiker, Künstler und Unternehmer in Roncalli zusammengeführt. Sein Lebensweg zeigt, wie viel Ausdauer zwischen einer frühen Begeisterung und einem jahrzehntelang bestehenden Kulturbetrieb liegen kann.

Zum Verständnis seiner Arbeit gehören sowohl Clown Zippo als auch die Familie, die Gestaltung der Vorstellungen und die Offenheit für technische Veränderungen. Wer diesen Werdegang näher kennenlernen möchte, findet in seiner Autobiografie und der dokumentierten Roncalli-Geschichte zwei unterschiedliche Zugänge.

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